Zweite Chance auf der Titanic
Was wäre, wenn sich Geschichte korrigieren ließe? Wenn eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Filmwelt nicht im eisigen Atlantik endete? Mit genau diesem Gedanken spielte die Klasse 8b des Lise-Meitner-Gymnasiums in ihrem fächerübergreifenden Theaterprojekt „Titanic: Mord auf dem Atlantik“ und präsentierte eine eigene, überraschend spannende Neuinterpretation des berühmten Stoffes – mit Zeitreise, Kriminalfall und großer Liebe.
Am Lise-Meitner-Gymnasium Crailsheim ist das fächerübergreifende Theaterprojekt seit Jahren fest im Schulcurriculum verankert: Alljährlich präsentieren alle achten Klassen eine Bühnenproduktion. In Kooperation der Fächer Deutsch, Musik und Kunst entstehen so Aufführungen, die Unterrichtsinhalte mit Teamgeist, organisatorischem Geschick und künstlerischer Kreativität verknüpfen. Die Klasse 8b wurde bei ihrer Arbeit von den Fachlehrkräften Svenja Hartmann (Deutsch, Projektleitung), Katharina Färber (Musik), Oliver Waibel (Kunst) sowie Lars Saltuari (Theaterpädagogik) eng begleitet und unterstützt.
Bereits die Auftaktszene des Stückes „Titanic: Mord auf dem Atlantik“ setzt eindrucksvolle Akzente: Nach einer musikalischen Einstimmung durch ein Gesangsduo mit dem Song „What I Was Made For“ sitzt die gealterte Rose, in ein Buch vertieft, in einem Sessel unter einer Stehlampe. Als sie den Fernseher einschaltet, erinnert eine Reportage an den Untergang der Titanic zum 80. Jahrestag der Katastrophe. Rose wird hellhörig, als berichtet wird, dass neue Erkenntnisse ergeben hätten, der Kapitän sei kurz vor der Kollision mit dem Eisberg ermordet worden. Hätte die Katastrophe also verhindert werden können? Ihr leises „Jack“ und das blaue Amulett in ihrer Hand werden zum Auslöser einer Zeitreise, die sie aus dem Jahr 1992 zurück in den April 1912 führt.
Die Bühne beeindruckt durch sorgfältig gestaltete Details, die das Publikum direkt in die Welt des legendären Ozeanriesen eintauchen lassen: selbst gebaute Requisiten wie Steuerrad, Schiffsbug, Flügeltür, eine elegante Sitzgruppe sowie die berühmte Treppe der Titanic schaffen zusammen mit wechselnden Projektionen authentisches Ambiente. Zimmermädchen in Schwarz mit weißer Stickereischürze eilen geschäftig über die Bühne, während junge Damen in Abendkleidern im Stil der 1920er Jahre sowie weitere Touristen und Crewmitglieder erscheinen. Die schnellen Szenenwechsel werden musikalisch stimmungsvoll mit Songs von Michael Jackson untermalt.
Doch diesmal geht es nicht nur um eine tragische Liebesgeschichte, denn Rose erhält zwar eine zweite Chance, aber auch einen Auftrag: Sie muss den Mord am Kapitän verhindern. Zurück im Jahr 1912 sucht sie als junge Rose Jack Dawson auf, der sie am Bug vor dem Sprung ins eiskalte Wasser rettet. Zwischen Dinner-Szenen, vergiftetem Essen und zwielichtigen Dieben entfaltet sich ein Kriminalfall mit mehreren Verdächtigen und überraschenden Wendungen. Der zweite Akt wurde stimmungsvoll durch einen selbst choreografierten Tanz eröffnet. Verdorbene Lebensmittel, Neid, ein Foto und Intrigen führen schließlich zur Aufdeckung: Der Staff-Kapitän plante aus Eifersucht den Mord – ein Dieb wird zum Zufallsopfer. Durch clevere Kombinationsfähigkeit des Ermittlerteams um die junge Rose kann der stellvertretende Kapitän jedoch rechtzeitig als Täter identifiziert werden, bevor er seinen Plan, den Kapitän zu ermorden, in die Tat umsetzen kann. Letzterer steuert infolgedessen die Titanic mit seinem seefahrerischen Geschick sicher am Eisberg vorbei und somit rettet tausenden von Menschen das Leben.
Berührend gerät die berühmte Szene am beeindruckend gestalteten Bug, als Jack und Rose „fliegen“, im Hintergrund zu „My Heart will go on“ von einer Schülerin am Klavier begleitet. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Entgegen der Hoffnung der Zuschauer stirbt Jack in auch dieser Version – dieses Mal durch die Hand des Staff-Kapitäns, der sich von seinen Fesseln befreien konnte, jedoch von Rose nach einem kurzen Kampf über Bord geworfen wird. Die Zeitreise hat also die Geschichte verändert, aber nicht das Schicksal der Liebenden. Später fasst der Abteilungsleiter Reno Schwedl noch einmal zusammen, es sei schwer zu sagen, welches Ende tragischer sei.
Den emotionalen Schlusspunkt setzt die alte Rose, zurück in ihrem Wohnzimmer, mit den Worten, sie habe ihn noch einmal verlieren müssen. Danach bricht die Klasse in einen gemeinsamen Line-Dance aus – ein fröhlicher Kontrast, der die starke Gemeinschaft spürbar macht.
Das Projekt beeindruckte durch Kreativität, Spielfreude und Teamarbeit. Die Klasse bewies Mut zur eigenen Idee mit einem selbst geschriebenen Stück, das sich wirklich sehen lassen kann und sowohl tragische als auch humorvolle Elemente aufwies, was durch begeisterten Applaus gewürdigt wurde.
Text: Ft
Fotos: wa