Geheimnisse, Verrat und große Gefühle – Die 8a begeistert mit selbst geschriebenen Minidramen
Ein dumpfer Schuss hallt durch die Aula, für einen Moment hält das Publikum den Atem an. Ein gezückter Eislöffel und ein geheimnisvoller Brief folgen wenig später. Wie schnell Vertrauen zerbrechen kann, wenn Misstrauen, Geheimnisse und verdrängte Konflikte die Oberhand gewinnen, zeigte die Klasse 8a mit ihren drei selbst geschriebenen Minidramen unter dem Titel „Das Ende vom Anfang“. Ob auf einem Frachtschiff, bei einer Testamentseröffnung oder in einer Eisdiele – stets geraten Menschen an einen Punkt, an dem unausgesprochene Spannungen offen zutage treten und Beziehungen auf die Probe gestellt werden. Zwischen Spannung, Tragik und Humor entstand so ein Theaterabend, der von überraschenden Wendungen und eskalierenden Konflikten lebte.
Den Auftakt machte das Kriminalstück „Schwarzes Wasser“. In einer heruntergekommenen Hafenkneipe planen fünf Personen einen riskanten Schmuggel über den Atlantik. Doch auf dem Frachtschiff verdichten sich die Hinweise, dass nicht alle die sind, für die sie sich ausgeben. Zwei verdeckte Ermittler haben sich unter die Gruppe gemischt, und als Marco seinen Komplizen Jan heimlich belauscht, kippt die Situation endgültig. Eindrucksvoll gelang dabei neben ausdrucksstarker Darstellung durch die Schauspielerinnen die Inszenierung des Schauplatzwechsels: Aus der Kneipe wurde durch den Umbau eine zweigeteilte Bühne mit Schiffsrestaurant und Frachtraum, getrennt durch eine Tür, hinter der sich Verrat und Misstrauen entluden. Hintergrundprojektionen verliehen den Szenen zusätzliche Atmosphäre. Als am Ende die Waffen gezogen wurden und ein Schuss fiel, zuckte das Publikum sichtbar zusammen.
Deutlich persönlicher, aber nicht weniger explosiv, wurde es in „Das Testament“. Nach der Beerdigung des Familienvaters treffen Ehefrau, Tochter, Geliebte und unehelicher Sohn zur Testamentseröffnung zusammen. Was zunächst wie ein Streit um Geld und Erbe wirkt, entwickelt sich zu einer schonungslosen Abrechnung mit jahrelangen Verletzungen und verdrängten Wahrheiten. Ein versteckter Brief wirft ein neues Licht auf die Vergangenheit, während sich die Fronten immer weiter verhärten. Grimmige Blicke, scharf geführte Wortwechsel und Sätze wie „Ihr wollt die Wahrheit, dann haltet sie auch aus“ verliehen dem Stück eine beklemmende Intensität. Dabei spiegelten Mimik und Gestik der Schauspielerinnen und Schauspieler die unterschiedlichen Charaktere der Figuren gekonnt wider – von Jonas’ unterdrückter Wut über Lucias kühle Beherrschung bis hin zu Elisas Verzweiflung. Als die gegenseitigen Vorwürfe schließlich eskalieren und nach und nach alle Beteiligten Waffen ziehen, erreicht die Spannung ihren Höhepunkt. Im anschließenden Chaos fällt ein Schuss, und die Figur der Ana bricht tödlich getroffen zusammen. Mit ihrem letzten Satz – „Ihr seid alle gleich“ – endet das Stück düster und hinterlässt die beklemmende Erkenntnis, dass aus Misstrauen und alten Verletzungen am Ende eine Tragödie geworden ist.
Mit „Der Eisdielen-Casanova“ wechselte der Abend schließlich in die sommerliche Kulisse des Eiscafés „Venezia“. Zwischen Gesprächen über Schule, Schönheit und heimliche Schwärmereien scheint zunächst alles leicht und unbeschwert. Doch als der charmante Luis gemeinsam mit Klara erscheint, wird deutlich, dass er mit mehreren Mädchen gleichzeitig gespielt hat. Aus harmlosen Neckereien entwickeln sich Eifersucht und Streit – bis plötzlich Eislöffel und Colaflaschen zu Waffen werden. Pointierte Dialoge wie „Erdbeereis ist ehrlich“ oder „Schokolade schmeckt wie Drama im Mund“ sorgten dabei ebenso für Lacher wie die überspitzten Figuren. Besonders die lebendige Spielweise der Darstellerinnen und Darsteller, ihre ausdrucksstarke Mimik und die teils überzeichnete Gestik brachten die unterschiedlichen Charaktere gekonnt zur Geltung – von Annas gutgläubiger Unsicherheit über Laras trockenen Humor bis hin zu Zoes impulsivem Temperament und Claras selbstbewusstem Auftreten. Dadurch gelang es den Schauspielerinnen und Schauspielern, die Mischung aus Komik und eskalierendem Konflikt eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen.
Den stimmungsvollen Schlusspunkt des Abends setzte die gesamte Klasse mit einem gemeinsamen Tanz zu ABBAs „The Winner Takes It All“, bevor sich die Schülerinnen und Schüler mit einer Rede bei den Lehrkräften bedankten, die das fächerübergreifende Projekt verantwortet und sie über ein halbes Jahr hinweg begleitet und unterstützt hatten: Karin Sonnenfroh (Deutsch und Projektleitung), Lars Saltuari (Theaterpädagogik), Wildis Streng-Sengle (Bildende Kunst) und Katharina Färber (Musik). Zwischen den einzelnen Minidramen sorgten Klavierstücke und Gesangseinlagen für eindrucksvolle Übergänge. Die musikalischen Beiträge zwischen den Szenen griffen die jeweilige Stimmung der Szenen auf und wurden sehr gefühlvoll und ausdrucksstark sowie passend zur Atmosphäre des Abends interpretiert. Eindrucksvoll waren die beiden Gesangseinlagen „The Cure“ und „In the Stars“, die von zwei unterschiedlichen Sängerinnen vorgetragen wurden und das Publikum mit ihren bewegenden Interpretationen berührten. Ergänzt wurde die Aufführung durch ein im Kunstunterricht gestaltetes Leporello mit Illustrationen zu den drei Minidramen. Darüber hinaus entstanden im Kunstunterricht auch das Plakat zur Aufführung sowie das Programmheft des Abends.
Damit fand nicht nur ein abwechslungsreicher Theaterabend seinen Abschluss, der eindrucksvoll vor Augen führte, wie eng Spannung, Tragik und Komik beieinanderliegen können. Zugleich wurde deutlich, dass das zentrale Anliegen des fächerübergreifenden Projekts erreicht worden war: Über Monate hinweg hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Texte entwickelt, Szenen erarbeitet und die Aufführung gestaltet – und waren dabei als Klasse spürbar zusammengewachsen. Die gelungene Präsentation zeigte eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Kreativität, Teamgeist und das Engagement vieler Beteiligter zusammenkommen.
Text/ Fotos: Ft




Bildunterschrift:
Monatelange Vorbereitung, viel Kreativität und Teamgeist: Die Klasse 8a präsentiert sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften nach dem erfolgreichen Theaterprojekt.